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SONIC Blog

26.03.2020 14:07 Uhr

Produktion trotz #physicaldistancing - kann das funktionieren?

Lukas Weber


Aktuell zeigt sich in vielen indirekten Bereichen: Homeoffice kann funktionieren. Generationen- und branchenübergreifend finden sich Teams in der digitalen Welt von zuhause aus zusammen. Der heimische Schreibtisch oder der Küchentisch werden zum Büro. Kaffeepausen via Video-Call, Kommunikation im Chat sind in den Alltag integriert. Es scheint gar nicht so schlecht zu funktionieren, wie in der Vergangenheit hin und wieder befürchtet.

Der Shopfloor mit seiner Wertschöpfung kann jedoch nicht in das Homeoffice geschickt werden. Gleichzeitig geraten die typischen Kommunikationsmittel auf dem Shopfloor an ihre Grenzen: Ausdrucke mit Fertigungsaufträgen, Schichtboards und Maßnahmenlisten können nicht ohne Weiteres ausgetauscht, oder in Shopfloor-Besprechungen diskutiert werden. Daraus ergibt sich für produzierende Unternehmen ein wahrhaftes Problem. Das klassische und bewährte Prinzip “Go-to-Gemba" steht konträr den aktuellen Maßnahmen des “physical distancing”. Jedoch benötigt die Produktion auch im Notbetrieb Informationen, was gefertigt werden soll. Gleichzeit wird eine Eskalationsmöglichkeit benötigt, welche Probleme aufgetreten sind und derer sich Supportbereiche oder die Führungsmannschaft annehmen muss.

Betrachten wir diese Herausforderungen, ergeben sich drei wichtige Prinzipien, mit denen eine Produktion unter den aktuellen Umständen aufrechterhalten werden kann.

Prinzip 1: Minimaler Personaleinsatz im Werk

Die Regelungen zu Abstand und Hygiene müssen auch in den Unternehmen eingehalten werden. Eine Konsequenz daraus ist, dass nur diejenigen Vor-Ort sind, die zwingend für die Wertschöpfung benötigt werden. Weiterhin kann mit überschneidungsfreien Wechselschichten sowie mit getrennten Eingängen und Sozialräumen die Anzahl an Kontakten erheblich minimiert werden. Dies senkt zwar das Infektionsrisiko, hat allerdings auch Auswirkungen auf weitere Prozesse im Werk. Zum Beispiel ist es essentiell, dass eine Versorgung mit Material sichergestellt wird. Das sonst oft optimierte Thema Überbestände auf dem Shopfloor verliert an Wichtigkeit, denn aktuell sind diese keine Verschwendung, sondern nötig. Analog zu diesem Beispiel lassen sich weitere Themen finden, die unter normalen Umständen zu optimieren sind und nun an Wichtigkeit verlieren.

Prinzip 2: Ortsunabhängige Kommunikation mit der Produktion

Die minimale Anzahl an Personen im Werk bedeutet gleichzeitig, dass Mitarbeiter aus Supportbereichen und Führungskräfte nicht mehr vor Ort sind. Umso wichtiger ist es, dass Sie eine einfache Möglichkeit haben live den Zustand im Werk verfolgen zu können. Hierbei ist die Zielsetzung keineswegs eine Überwachung der Mitarbeiter, sondern aus der Distanz unterstützend tätig zu werden. So müssen Informationen zu Fertigungsaufträgen übermittelt, Schichthinweise kommuniziert und auch Prioritäten angepasst werden. Das gestaltet sich schwierig, da die Tagesbesprechungen über Aufträge und deren Reihenfolge vor Ort entfallen. Die behelfsweise Kommunikation über Telefon oder E-Mail ist oft nur eingeschränkt möglich und stößt schnell an die Grenzen. Viele Informationen gehen verloren. Noch kritischer wird die Lage in Spät- und Nachtschichten.

Prinzip 3: Schnelle Eskalation und Unterstützung

Die Mitarbeiter vor Ort brauchen aktuelle mehr denn je eine Möglichkeit, schnell und einfach ihre Probleme zu eskalieren und Informationen rückzumelden. Transparenz und Zugriff für jeden an seinem Arbeitsplatz, ob in der Firma oder im Homeoffice, gewährleistet ein effektives Zusammenarbeiten. Deswegen funktioniert schichtbezogene Dokumentation und Kommunikation auf dem Papier oder an einer Anlagentafel nicht mehr. Auch wichtige Bereiche, wie Instandhaltung und Qualität, werden nur in reduzierter Besatzung vor Ort sein. Umso entscheidender ist eine korrekte Priorisierung der Themen. Dazu ist die oben angesprochene Transparenz unerlässlich.

Es lässt sich festhalten, dass eine strukturierte digitale Kommunikationsschnittstelle zwischen den Bereichen eines Werkes enorm wichtig ist. Leider bieten die aktuellen Lösungen, wie Teams und Co., durch den Fokus auf Projektgeschäft und Bürotätigkeiten, nur umständlich die Möglichkeit, diese Kommunikation sicher zu stellen.

Weiterhin ist es wichtig, dass Go-to-Gemba nie komplett ersetzt werden kann. Dennoch werden durch online zugeschaltete Unterstützer und Führungskräfte die wichtigsten Prinzipien eines Shopfloor-Managements abgedeckt.

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